Video-Reihe des FSP digitale_kultur

Der Apparat ist eine begriffliche Chimäre, die sich zur Akzentuierung verschiedenster Elemente in soziotechnologischen Zusammenhängen eignet. Apparate bezeichnen gleichermaßen mechanische Konstrukte wie auch feste Prozessketten menschlicher Handlungen, die maschinistisch z.B. als Verwaltungsapparat ineinandergreifen – so jedenfalls in der Theorie. 
Als Semester- und Handapparate kennen wir die Sammlungen von wissenschaftlichen Büchern und Zeitschriften, in denen die sozialen, rechtlichen, ethischen oder philosophiegeschichtlichen Konsequenzen analysiert, beschrieben und theoretisiert werden, die mit Apparaten einhergehen können. 

Das Format Theorie|Apparate stellt in einer Reihe eigenständiger Episoden jeweils ein technologisches Phänomen in den Mittelpunkt.
Jede Episode spiegelt dabei die Forschungsdesiderate aus der Zusammenarbeit innerhalb des Forschungsschwerpunktes digitale_kultur wieder. Weiterführende Recherchen verbinden die Sequenzen der Expert*innen-Interviews zu einem Gesamtnarrativ. Somit theoretisiert jede Episode ihren Gegenstand anhand der im FSP vorhandenen und über den FSP hinausweisenden Expertise. 

Theorie|Apparate ist kein Archiv und auch kein abgeschlossenes Kapitel – sondern vielmehr eine Einladung zur Diskussion.

Episode 04: Topografie der Tech-Broligarchie

Mit einem symbolischen Kniefall inszenierten sich die größten Big Tech CEOs im Rahmen der Amtseinführung Trumps zugleich als Loyalisten und Königsmacher.

Seither verbindet sich ihr finanzieller und technologischer Einfluss immer stärker mit der antidemokratischen Praxis der neurechten Politik. Der plakative Maskulinismus, der dieses Machtgeflecht zusätzlich durchzieht, hat ihm die Bezeichnung „Broligarchie“eingebracht…

Der mediale Fokus auf die Tech-Bros macht gleichzeitig eine Verschiebung der öffentlichen Debatte deutlich. Während die ausbeuterischen Geschäftsmodelle, die Monetarisierung sozialer Lebensbereiche und fehlende rechtliche Regulation immer weniger kritisiert werden, findet immer häufiger eine personalisierierte Moralisierung von Einzelpersonen statt. In der öffentlichen Diskussion wirkt die Broligarchie teilweise wie eine homogene Interessengemeinschaft, die auf der Grundlage von Absprachen eine langfristige Agenda umsetzt. Wie zum Beispiel den Umbau der Demokratie zu einem Unternehmen oder einer absolutistischen Staatsform. 

Dabei geraten marktwirtschaftlichen Zwänge und die Interessenskonflikte oder Konkurrenzdynamiken, in denen die Firmen, Investmentfonds, Stiftungen und politischen Lobbies der Broligarchie untereinander stehen, zunehmend aus dem Blick.

Herrschen die Tech-Bros wirklich über die Verhältnisse oder herrschen die Verhältnisse über die Tech-Bros?

Im Interview mit Dr. Laura Hille (Universität Siegen), Wyn Brodersen (Universität Jena) und Harald Sick (Universität Mainz) sprach Dr. Thorben Mämecke (FernUniversität in Hagen) über Allianzen, Bruchlinien und technologie-ideologische Schnittmengen der Tech-Bros.

In Kooperation mit dem Online-Magazin Machine Against the Rage des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) und unterstützt durch die Recherchen von Dr. Laura Hille (Universität Siegen) und Svenja Wagner (Universität Trier) ist im Rahmen dieses Films darüber hinaus eine „Topografie der Tech-Broligarchie“ entstanden, um die finanzielle Unterstützung des Trump-Lagers durch die Tech-Bros nachzuzeichnen…

Der 30-minütige Film befindet sich in der Postproduktion. Infos zur Veröffentlichung folgen in Kürze.

Episode 03: IoT, Kontrolle & Gewalt



Skript & Interviews: Dr. Thorben Mämecke, Kamera, Schnitt und Animation: Sascha Senicer (ZLI), Vertonung: Matthias Heine-Bones (ZLI), Mitarbeit: Harald Sontowski, Svenja Wagner, M.Sc.


Die Möglichkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen hängt in weiten Teilen auch davon ab, das Wissen und die Kontrolle über die digitalen Technologien in unserem Alltag zu behalten. Gerade im Zusammenhang mit digitalen Apparaten sind Wissen und Kontrolle allerdings weithin ungleich verteilt. Dies meint nicht nur das Verhältnis zwischen den Betreibern digitaler Systeme und ihren Anwender*innen, sondern auch das Verhältnis unter den Anwender*innen selbst – z.B. in Familien und Partnerschaften. So spielen etwa das Internet of Things, SmartHome-Technologien und SmartSpeaker immer häufiger eine Rolle in geschlechtsspezifischen Gewaltverhältnissen. Der FSP digitale_kultur hat sich im Rahmen der dritten Episode der wissenschaftlichen Interview-Filmreihe Theorie|Apparate daher sowohl mit den Problemen als auch den emanzipatorischen Potenzialen des Internet of Things befasst.

Anhand von Interviews mit der Mediensoziologin Prof. Nicole Zillien (Universität Koblenz), dem Bildungswissenschaftler Dr. Max Waldmann (FernUniversität in Hagen) und dem Informatiker Dr. Martin Degeling (Freelancer für AI Forensics & ISD Global) beleuchten wir die komplexe technische Infrastruktur von IoT und Sprachassistenzen und widmen uns aus wissenschaftstheoretischer Perspektive den Fragen danach, ob Sprachassistenzen spezifischen Geschlechterskripten folgen und ob ihnen vor dem Hintergrund der aktuellen KI-Revolution soziale Lernfähigkeit und eine eigene Handlungsträgerschaft zugesprochen werden muss – auch im Kontext von digitaler Gewalt.

Animation IoT

Das unauffällige Produktdesign der meisten Smart-Speaker täuscht darüber hinweg, wie komplex die technischen Vorgänge sind, die für die Verarbeitung von Sprachbefehlen nötig sind. Schon das einfache bedienen einer Lampe wird im Rahmen eines Smart-Homes schnell zu einem Vorgang im globalen Daten- und Informationsmanagement, zum Zuge dessen etliche technische Instanzen durchschritten werden müssen. Die folgende Animation veranschaulicht die Diversität der spezifischen Datenflüsse und Analyseinstanzen und reduziert diese auf ihre grundlegenden Funktionen. In einem zweiten Durchgang wird verdeutlicht, wie sich Analysen und Datenflüsse ändern, wenn zusätzlich generative KI-Instanzen an einer Konversation über Smart-Speaker beteiligt werden. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus der dritten Episode.

Episode 02: Brain Com­pu­ter Int­er­fa­ces



Skript: Dr. Thorben Mämecke, Prof. Dr. Dr. Orsolya Friedrich und Sarah Kissler. M.A., Interviews: Prof. Dr. Dr. Orsolya Friedrich und Carina Kötter (ZLI), Kamera, Schnitt und Animation: Sascha Senicer (ZLI), Vertonung: Matthias Heine-Bones (ZLI)


Neu­­ro­tech­no­lo­gi­en sind hochkomplexe Apparate. Ihre Funktion und ihre Anwendungsfelder sind den meisten Menschen kaum bekannt. Als experimentelle Grenztechnologien operieren sie an der Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer und sorgen so für eine grundsätzliche Neubestimmung von Mensch-Maschine-Verhältnissen. Mit ihnen verbinden sich Utopien und Dystopien gleichermaßen. Die Zukunft der Neurotechnologien ist umkämpft und schwer zu bestimmen. Sicher ist nur, dass sie mit großem Aufwand weiterentwickelt werden. Eine wissenschaftlich gestützte gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den sozialen Veränderungen die sie bewirken ist daher unabdingbar.

Episode 01: Hate speech



Skript: Dr. Thorben Mämecke und Jun.-Prof. Dr. Jennifer Eickelmann, Interviews: Dr. Thorben Mämecke, Kamera, Schnitt und Animation: Sascha Senicer (ZLI), Vertonung: Matthias Heine-Bones (ZLI), Mitarbeit: Harald Sontowski, Svenja Wagner, M.Sc.


Mit der zunehmenden Platformisierung von Kommunikation im Internet, steigen auch Probleme mit Fake News, Wahlbeeinflussung und vor allem verbale Gewalt gegen marginalisierte Gruppen. Insbesondere das Thema „hate speech“ versinnbildlicht gegenwärtig eine der dunkelsten Schattenseiten digitaler Kultur. Es beschäftigt die gesellschaftliche Öffentlichkeit seit langem. Umfassende Erklärungen oder wirksame Lösungsansätze für das Problem gibt es bisher allerdings nicht. Dies hat sicher auch damit zutun, dass dieses vielschichtige Phänomen keine singuläre Ursache hat und erst durch eine Vermittlung unterschiedlicher Forschungsperspektiven überhaupt beschreibbar wird.

Mit der ersten Episode des Video-Formats Theorie|Apparate, recherchiert und produziert durch Jun.-Prof.’in Dr. Jennifer Eickelmann und Dr. Thorben Mämecke, widmet sich der FSP digitale_kultur diesem Problem daher interdisziplinär und verschränkt medienwissenschaftliche, philosophischen und rechtswissenschaftlichen Ansätze mit den Expertisen außeruniversitärer Initiativen. Das Ziel ist es die komplexen Hintergründe dezidiert wissenschaftlich zu beleuchten, dabei aber für ein breites Publikum zugänglich zu machen.

Das Release-Datum dieser Episode im Februar 2024 ist nicht willkürlich gewählt, denn im gleichen Monat tritt der sog. Digital Services Act in Kraft. Damit macht die EU die Regulation von Kommunikation auf Social Media Plattformen erstmals verbindlich und verpflichtet die Betreiber zur Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Forschungsinstitutionen. Dieser Film ist ein erster Schritt um den nun folgenden Prozess aktiv zu begleiten.

Interviewpartner*innen der Episode Hate Speech

Im Rahmen der Episode zu hate speech haben wir mit den folgenden Personen gesprochen. Weitere Informationen zu Publikationen und Forschungstätigkeiten unserer Interview-Partner*innen, sowie Interviews in voller Länge, finden Sie hinter den nachstehenden Links:



Animation Empfehlungsalgorithmus

Die folgende Animation veranschaulicht und vereinfacht die komplexen Empfehlungsalgorithmen der Social Media Plattformen. Die Diversität der spezifischen Funktionen wurde heruntergebrochen auf grundlegende Konzepte, die ein Gesamtverständnis erleichtern. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus der ersten Episode.